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Systemische Familien-und Organisationsaufstellungen sowie spirituelle Aufstellungen.



Familienaufstellungen

 

Die Methode der systemischen Familienaufstellung geht zurück auf die familien-therapeutischen Arbeiten von J.Moreno, V.Satyr, B.Hellinger und anderen.

In der Familientherapie erkannte man schon sehr früh, dass verhaltensauffällige Mitglieder einer Familie oft gar nicht der Ursache eines Problems sind, sondern lediglich etwas ausdrücken, was die ganze Familie betrifft. In diesem Sinne begann man Probleme eines Einzelnen als Hinweis auf umfassendere Störungen in den grundlegenden familiären Strukturen zu betrachten und suchte nach einer Möglichkeit, ein System als Ganzes inklusive die Beziehungsmuster zwischen allen Familienmitgliedern abzubilden.

Das dafür geeignetste Instrument waren die Familienaufstellungen. In vielen Jahren praktischer Arbeit wurde die Aufstellungsarbeit ständig weiterentwickelt und bis zu ihrer heutigen Form verändert und angepasst.

 

Systemisches Familienstellen ermöglicht uns, die oft im Verborgenen wirkenden Kräfte innerer Leitbilder sichtbar zu machen. Mit Hilfe dieser Methode werden innere Bilder über die familie, das Team, die Organisation, das Anligen etc., mit Hilfe der Gruppe oder Gegenständen räumlich "aufgestellt".

Familiäre Beziehungsmuster die sonst unsichtbar unser Leben prägen, können einfach und direkt erfahren werden, wobei in einem achtsamen Prozess die Erkenntnisse genutzt werden, um mit Hilfe von "Umstellungen" und "Prozessarbeit" heilsame Lösungsbilder zu entwickeln.

Da niemand als Einzelperson in einem Leerraum agiert sondern in eine spezifische Umgebung(Partner, familie, Firma) eingebunden ist, hilft uns ein Verständnis der zugrunde liegenden Struktur (" das System") gute Entscheidungen zu treffen.

 

Und hier liegt auch schon die Lösung. Denn das, was in Familien viele Schwierigkeiten hervorruft und sie aufrecht hält, heilt sie auch - die tiefe, unbewusste Liebe zur eigenen Familie, welche uns über die Ahnenreihe mit dem universellen Ur-sprung verbindet. Wird diese Liebe bewusst erlebt, entfaltet sie eine heilende und befreiende Kraft.

Was uns hingegen blockiert, ist häufig die Macht des Systems. Wir Menschen sind soziale Wesen und verbringen den überwiegenden Teil unseres Lebens in den unterschiedlichsten Bezugsgruppen oder eben Systemen: Familie, Kindergarten, Schule, Freundeskreise, Vereine, die selbst gegründete Familie und nicht zuletzt die Firma, in der wir arbeiten.

 

Familienaufstellungen machen die Gesetze sichtbar, nach denen Systeme funktionieren, und zeigen, worum es in einer Familie im einzelnen geht:

wessen Schicksal wir nachleben, wessen Gefühle wir übernehmen, oder wem zuliebe wir vielleicht auf etwas verzichten. Dadurch werden nachhaltige Veränderungen und Lösungen möglich, sie sowohl befreien, als auch mit dem versöhnen, was wir sind und woher wir kommen. Vor allem wegen dieser Lösungsorientierung sind Familien-Aufstellungen ein machtvolles Instrument für die eigene Entwicklung, die Bewältigung scheinbar unlösbarer Schwierigkeiten oder die Beilegung von dauerhaften Konflikten zwischen Familienmitgliedern.

 

Lebende Systeme sind Beziehungsgeflechte. Alle sind miteinander verbunden und in einem ständigen Fließgleichgewicht. Jede Aktion eines Mitgliedes hat Auswirkungen auf die Anderen und auf das System selbst, welches mehr als die Summe seiner Teile ist und folglich auch ein hohes Maß an "Eigenständigkeit" aufweist.

Das führt dazu, dass Systeme zwar auf Kommunikation und Austausch gegründet sind, allerdings in sich Stabilität aufbauen, um das Funktionieren zu gewährleisten. Sollte diese interne Stabilität bedroht sein in Form von tiefgreifenden Änderungen in der Familie selbst, tendieren wir dazu, eine Anpassung vorzunehmen und uns dem System selbst anzupassen, wodurch wir dem abstrakten System unbewusst oder bewusst dienen.

 

Je höher die Flexibilität oder Bewegung in einer Familie ist, desto starrer wird das System selbst. Wir sollten uns hierbei bewusst machen, dass das "System" von uns permanent neu erschaffen wird, um unsere Sehnsucht nach Stabilität und Ordnung zu befriedigen. Die Reflexionen dieses "Sicherheitsdenken" können wir in der Familie sehr gut beobachten, da es ja wir selbst sind, die die "Befehle" des Systems ausführen. Damit ist die Erhaltung der Ordnung im Sinne eines funktionierenden Organismus gemeint, wie er beispielsweise sehr gut bei Ameisenvölkern zu beobachten ist.

Diese Form von Arbeitsteilung leben wir auch in Familien, Gesellschaften, Vereinen etc. aus, indem wir die selbst geschaffenen Regeln und Ordnungssysteme umsetzen, und zwar in Form von Interaktion und Kommunikation mit unseren Verwandten, Freunden oder Arbeitskollegen.

 

Veränderungen in der Familie verändern das "System" gleichermaßen, nur mit dem Unterschied, dass das System als "Fließspeicher" auftritt. Das System ist somit auch die Summe aller Interaktionsmuster der Familie selbst und ein perfektes Abbild dieser. Kommt die Familie außer Tritt, verstärkt sich sofort der Wunsch nach Ordnung und das System bekommt mehr Macht über die Mitglieder selbst, bzw. wird erst über die auszutragenden Konflikte sichtbar. Denn es ist ja nicht das Problem selbst, das Schwierigkeiten macht, sondern der "ausgegliederte Imperativ" in Form von nicht zugestandene Wünschen, nicht gelebten Bedürfnissen etc. der durch die Hintertür über die Regelmechanismen des Systems "Familie" auf alle Beteiligten einwirkt und sie zum Handeln "zwingt".

 

Die Stärke der Familienaufstellung liegt in der Schwäche des Systems in Form der handelnden Personen begründet: ist die Familie sehr emanzipiert in ihren Beziehungsstrukturen untereinander - im Sinne einer hohen Transparenz und Klarheit hinsichtlich ihrer Wünsche - und gelingt es ihr, die anfallenden Bedürfnisse kooperativ umzusetzen, ist der Druck des Systems fast null und nichtig. Da die Familienmitglieder durch Toleranz und ein hohes Maß an Selbstreflexion selbst für Ordnung sorgen, ist der starre, rigide Anteil = "das System" nicht gezwungen, diese Ordnung von den Familienmitgliedern "einzufordern". Diese wiederum müssen nicht "gehorchen", da sie ihre Entscheidungskompetenz nicht aus der Hand geben und die Angelegenheiten selbst regeln.

 

Weil das Leben nicht in polare Sektoren (ich - du, die Familie - das System) getrennt wird, verläuft die Reflexion fast zur Gänze auf der gleichen Ebene ab. Jede Person selbst sieht ihre "Fehler" ein und handelt demgemäß bewusst und respektvoll, benötigt also niemanden mehr, nach dem sie sich richten müsste.

Wir "richten" uns ja permanent selbst, nicht nur psychologisch sondern auch systemisch, in dem wir uns unseren Zielen gemäß daran aus"richten". Diese Ausrichtung bedeutet eine Fokussierung des Bewusstseins, welche auf andere einen Druck ausübt. Dieser wird entweder an andere abgeleitet (…."ist nicht mein Thema") oder auf sich genommen. Im ersten Fall benötigt man einen "starken Mann" der die Angelegenheiten regelt, denn wenn niemand in der Familie damit zu tun haben will (siehe…"ist nicht mein Thema") dann muss es sonst wer erledigen. Dieser "starke Mann" bzw. "sonst wer" ist auch "das System", wenn man es abstrakt formulieren möchte.

Die Konsequenzen dieser Haltung werden überwiegend unangenehm erlebt und meist mit den Worten: "Ich muss das tun" beschrieben. Es geht allerdings auch ohne "Muss" und Zwang, siehe Fall zwei Punkt zwei.

Im zweiten Fall ergeben sich hauptsächlich zwei hinreichend bekannte Varianten: entweder man nimmt den Druck widerwillig auf sich (Punkt 1), entwickelt einen Widerstand und fühlt sich blockiert, was zu einer passiven und frustrierten Haltung führt oder man nützt den entstandenen Druck (Reflexion der erwünschten Ordnung, vom System als "Leistung" gratis aber oft widerwillig bezogen) um Veränderungen der eigenen Haltung und Einstellungen vorzunehmen. Als Folge wird man sich wohl fühlen, da man stets das Heft in der Hand behält, und damit einen positiven Selbstwert aufbaut. In Laufe der Zeit lernt man auf diese Art und Weise nicht nur den "Druck" zu nützen, sondern überhaupt darauf zu verzichten, indem man jeden Augenblick seine wesentliche Autorität nützt und autonom seine Entscheidungen fällt, gleich ob die Umgebung freundlich, konfliktreich, unterstützend oder abweisen ist.

 

Familiensaufstellungen haben nun den Sinn, diese Interaktionsmuster näher zu untersuchen bzw. überhaupt erst sichtbar zu machen mit der Absicht, die Basisstruktur der Kommunikation oder die Vernetzung der Familienmitglieder transparent zu gestalten. Was jeder aus der gewonnenen Einsicht in das Funktionieren dieses Mechanismus an Werten schöpft, ist vorher nicht festzulegen und obliegt der Verantwortung jeder/s Einzelnen selbst. Familienaufstellungen bieten eine Möglichkeit, im eigenen typischen und individuellen Lebensumfeld immer besser zurechtzukommen und auf Basis von Einsicht und Verständnis zu handeln. Da tiefes Verstehen immer auch respektvolles Handeln nach sich zieht, kann jeder Betroffene dadurch auch eigenständig das Klima in der Familie, am Arbeitsplatz etc. verbessern, da jede Aktion einer involvierten Person die Ausgangslage für alle anderen beteiligten Personen verändert. So gesehen kann niemand in einem System von einer Veränderung unbehelligt bleiben sondern wird automatisch dazu gebracht, flexibel darauf zu reagieren.

 

Passiert sehr wenig in einer Gemeinschaft, stagniert die Kommunikation und Weiterentwicklung intern, was allerdings nicht negativ gesehen werden sollte, da gewisse "Ruhephasen" auch notwenig sind, um sich wohl zu fühlen. Geschieht sehr viel, muss sich auch das System neu formieren und kann uns nur mehr eingeschränkt blockieren. Daran zeigt sich der große Vorteil systemischen Denkens: fühle ich mich vom System eingeschränkt, braucht es nur die Entscheidung zu einer Veränderung der eigenen Einstellung und diese überträgt sich sofort auf das System selbst, welches ebenfalls zu einer Änderung gezwungen ist, auch wenn es sich hierbei nicht um eine lebende Person handelt.

Trotzdem reagieren Systeme gleichfalls, wenn auch nicht aus eigenem Antrieb. Da das System den projektiven, ausgegliederte Bewusstseins-Anteil aller Beteiligten verkörpert, hat es aber eine "geistige" Komponente, die sie von unbelebter Materie unterschiedet und was von uns als Systemzwang (denken wir auch an Gruppendynamik) erlebbar wird. In Wirklichkeit erleben wir uns in einem System nur selbst, allerdings ist der Ich-Aspekt mit dem Wir-Aspekt verknüpft, da Systeme immer Reflexionsmuster mehrerer Personen darstellen.

In diesem Sinne kommunizieren wir über das System bewusst oder unbewusst permanent mit anderen Familienmitgliedern auf abstrakte Art und Weise. Die Aufgabe des Familienaufstellens liegt unter anderem darin, diese Kommunikationsmuster von der unbewussten auf die bewusste Ebene zu heben, wodurch wir befähigt werden, aktiv und selbst bestimmt Handlungen zu setzen, was uns emotional betrachtet Zufriedenheit verschafft. Das Gefühl von Freisein, welches sich dadurch einstellt, ist ansteckend und führt zu einer Gesundung der betroffenen Gemeinschaft, wenn Jede/r liebevoll an der gemeinsamen Gestaltung des Lebensraums mitarbeitet.